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2018-02-04.2

Die Zeit um 500 Jahre zurückgedreht

Elisabeth Förster als Lutherin im Heimatmuseum Münster

Der Geist des frühen 16. Jahrhunderts wehte am vergangenen Sonntag durch das Heimatmuseum in Münster. Nicht nur die Lutherausstellung des Heimat- und Geschichtsvereins sorgte für eine ganz besondere Atmosphäre in den Räumen der alten Mühle. Es war vor allem der ausdrucksstarke Vortrag Elisabeth Försters, die als Lutherin das Rad der Zeit 500 Jahre zurückdrehte. Teils im in Ton und Mimik vagierenden Lebenserinnerungen der Katharina von Bora vortragend, teils in Spielszenen mit ihrem Martinus imaginäre Streitgespräche führend, brachte die in Dieburg beheimatete Schauspielerin den Zuschauern die damalige Zeit nahe. Es war still in dem mit 65 Besuchern ausverkauften Zuschauerraum, als die Lutherin die alten Zinnbecher spülend mit Luther über die fehlenden Geldmittel stritt. Auch die Situation als sie ihr gesichertes Leben als Nonne für ihre Freiheit aufgab, wurde eindrucksvoll lebendig. Vom Reformator wider Willen, denn eine Kirchenspaltung hatte Luther nie gewollt, aufgefangen, entwickelte sich im Laufe der Zeit eine große Liebe. Luther und seine Katharina wurden in eine Zeit des Umbruchs geboren. Sie nutzten diese Zeit, um die Welt ein Stück weit in die moderne Zeit zu geleiten.

 Geschirr spülend sagte sie ihrem Luther die Meinung. Elisabeth Förster als Lutherin im Heimatmuseum in Münster (Foto: Peter Panknin)

Geschirr spülend sagte sie  ihrem Luther die Meinung.
Elisabeth Förster als Lutherin im Heimatmuseum in Münster (Foto: Peter Panknin

Besonders nachdenklich wurden die Besucher, als Elisabeth Förster die Situation der Lutherin nach dem Tod ihres Mannes schilderte. Obwohl eigentlich durch Luthers Testament abgesichert, musste sie um jeden Kreuzer für sich und ihre Kinder kämpfen. Eine Frau galt in der damaligen Zeit wenig – eine Witwe gar nichts. „Ein Stuhl und ein Spinnstock, war das was man einer Witwe zugestanden hat“. Die Worte und noch mehr der Gesichtsausdruck der Darstellerin machten alle betroffen. So mancher Zuhörer machte sich bewusst, dass es noch ein langer Weg zur Gleichheit von Mann und Frau war. „Und haben wir ihn schon abgeschlossen?“, Fragen, die nach der Vorstellung auch im Café des Heimatmuseums weiter diskutiert wurden. Denkanstöße hatte der als Ein-Frau-Stück angekündigte Beitrag zur 500 Jahrfeier der Reformation genügend gegeben. Und es hatte alles gepasst an diesem Sonntagnachmittag: das alte Gemäuer der Mühle, die aufnahmebereiten Zuschauer und eine glänzend aufgelegte Lutherin Elisabeth Förster.

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